Münster v. d. H.
580 Einwohner (Stand 31.12.09).
Das Dorf hat seinen Namen von einer wohl mit mehreren Geistlichen besetzten Kirche (was "Münster" oder "monasterium" meint), der zumindest in der frühen Besiedlungsgeschichte des heimischen Raums einige überörtliche Bedeutung zugekommen sein muß.
Zur Großpfarrei Münster gehörten die Gemeinden Fauerbach v.d.H., Maibach, Bodenrod und Münster (Anm. d. Red.: So ist es auch heute wieder). 1531 wurde im Kirchspiel die Reformation eingeführt.
Auf dem "Gehberg" unweit des Dorfes (heutiger Schloßberg) baute Landgraf Philipp III. von Butzbach (1581-1643) von 1626-1628 als Pest- und Fluchtschloss das von ihm selbst entworfene und nach ihm benannte, mit zahlreichen Bastionen und Gräben umwehrte festungsartige Haus Philippseck, das schon bald als Amtsmittelpunkt der Kleinlandschaft den Namen gab. Die Kernanlage des Schlosses bildete ein Dreieck mit mehreren Eckbastionen. Die Grabenanlage bildete einen unregelmäßig ausgebildeten zwölfzackigen Stern. Der Keller war so groß, dass ein Sechsergespann bequem einfahren konnte! Hier lagerten die Fässer mit Wein von den Hängen bei Münster und Hoch Weisel. Die größten Fässer faßten 18 Fuder (1 Fuder = 960 Liter). 26 Morgen sollen 1780 noch mit Weinstöcken bebaut gewesen sein und hätten bei 4 Fuder Wein einen Preis von 890 Gulden gebracht. Heute sind nur noch ein Halsgraben sowie wenige Kellerreste und einige Böschungsmauern von dem als Festung auf einem spitz zulaufenden Sporn errichteten Schloß erhalten. Im Museum Butzbach ist ein großes Rekonstruktionsmodell der Kernanlage neben einigen anderen Fundstücken von Philippseck zu bewundern.
Die Dorfkirche war vom Landgrafen als Saalbau mit Chorraum neu errichtet und am 1. Mai 1631 feierlich eingeweiht worden. Aus dieser Zeit stammen mehrere erhaltene Wandmalereien mit Sinnsprüchen ebenso wie die kunstvoll geschnitzte Kanzel und das mit Aufsatz versehene Taufbecken.
Mehrere unterirdische Gänge verbanden das Schloss mit dem Dorf, u.a. mit der Kirche und mit der Schmelzmühle unterhalb von Philippseck, die zu Zeiten des Silber- und Erzabbaues als Hammerwerk und Schmelzhütte diente.
Bereits 1459 soll der in der Gegend vorkommende Silber- und Bleireichtum durch die Anlage eines Bergwerks ausgebeutet worden sein (sicherer 1517 belegt als "Bergwerk, genannt der Münsterberg"). Das Bleibergwerk wurde erst 1878 geschlossen, die Stollen wurden zugeschüttet.
In den nahen Wäldern hielten sich lange Zeit wilde Tiere auf. Um 1845 wurde bei der Scheuer einer abgelegenen Mühle zu Münster der letzte Wolf der Wetterau geschossen, der später als Attraktion sogar durch Friedberg gefahren wurde.
In der waldreichen Nachbarschaft liegt das in einem 1906 erbauten Jagd- und Gasthaus bald nach dem Zweiten Weltkrieg eingerichtete, inzwischen mit etlichen modernen Jugendhäusern sowie Versammlungs- und Sporträumen erweiterte Kreisjugendheim Hubertus mit "Trimm- und Waldlehrpfad", das auch als Schullandheim genutzt wird.
Münster, Fauerbach v.d.H. und Wiesental schlossen sich zunächst 1971 aufgrund der gebietlichen Neuordnung des Landes Hessen zur Großgemeinde Philippseck zusammen, die jedoch bereits am 1. Aug. 1972 in die Stadt Butzbach eingegliedert wurde. Seitdem ist Münster Stadtteil von Butzbach. (Dieter Wolf)
weiter: Nieder Weisel


