Das Butzbacher Gefängnis
Vielen ist Butzbach durch die seit 1894 betriebene 'Zellenstrafanstalt' ein Begriff geworden. Da die anderen hessischen Gefängnisse zu eng wurden und das Großherzogliche Ministrium den Vollzug in Einzelhaft gefördert sehen wollte, wurde seit 1884 nach einem Standort für einen modernen Neubau gesucht. Mehrere hessische Städte bewarben sich darum. Für Butzbach sprachen die gute Erreichbarkeit durch die neu gebaute Eisenbahn und die großzügigen Leistungen, die die Stadt in Aussicht gestellt hatte; sie verplichtete sich unter anderem dazu, das Gelände kostenfrei zur Verfügung zu stellen und beteiligte sich an den Planierungskosten. So fiel die Wahl im Jahre 1888 auf Butzbach, im Sommer 1890 wurde mit dem Bau begonnen.
Architektonisch hochinteressant ist die panoptische Bauweise mit dem schon zur Entstehungszeit als modern angesehenen großen Anteil von Einzelzellen. Von Anfang an gehörten Wirtschaftsräume, von der Wäscherei bis zum Krankenhaus, zum Gebäudekomplex. Ein moderner Werkhof und ein eigenes Heizkraftwerk sind heute Bestandteil der Anstalt; im Januar 2008 wurde mit dem Bau einer eigenen Sporthalle begonnen. 222 Angestellte vom Anstaltsleiter bis zur Zahnarzthelferin und 25 Anwärter im allgemeinen Vollzugsdienst stehen hier im Dienst des Landes Hessen (Stand April 2008). In Butzbach werden Freiheitsstrafen an Männern von über 24 Monaten und für den Fall, dass die höchste Sicherheitsstufe bestimmt wurde, sowie Freiheitsstrafen von mehr als sechs Monaten an US-amerikanischen Staatsbürgern vollzogen. (Quelle: JVA)
Die "Gästeliste" des "Knastes" liest sich zuweilen wie eine Illustration zur jüngeren deutschen Geschichte. In Butzbach wurden auch Hinrichtungen vollzogen - hier fand das Fallbeil der Guillotine, die das Leben des Schinderhannes beendete, noch einmal einen Aufstellungsort. Über das Leben im Butzbacher Gefängnis und seine Geschichte gibt es vielerlei Veröffentlichungen. Eine kleine Auswahl haben wir Ihnen hier zusammengestellt, einige Titel sind im Museum der Stadt Butzbach erhältlich.
Die Justizvollzugsanstalt (JVA) liegt heute inmitten von Wohn- und Geschäftshäusern am nördlichen Stadtrand. Sie ist auf Anlieferungen und Versorgung angewiesen. Im Werkhof entstehen hochwertige Güter. Vielfältige Geschäftsbeziehungen mit Butzbacher Betrieben sind die Folge.
Nähere Informationen finden Sie auch auf den Seiten der JVA Butzbach.


