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Bodenrod

361 Einwohner (Stand 31.12.09). Bodenrod ist die höchstgelegene Gemeinde im Wetteraukreis (420 m über NN). Waldwanderwege zum Gickel (505 m) und zur Hessel (518 m). Die "Rodungssiedlung des Bardo" entstand vermutlich im 10. Jahrhundert. Erste urkundliche Erwähnung 1341 als "Badinrode"; aufgrund dieser Ersterwähnung 650-Jahrfeier 1991.

In der waldreichen Gemarkung finden sich in einem entlegenen, idyllischen Seitental, nahe einem kleinen Fischteich, die Grundmauern der gotischen Wallfahrtskirche "Mariazell", einer Einsiedelei aus dem 15. Jahrhundert. Die ehemalige, im 15. Jahrhundert gegossene Glocke hängt heute im Türmchen auf dem alten Bodenroder Schulhaus, das bis 1964 auch als Gotteshaus diente. Das in Ortsmitte stehende ehem. Schulhaus mit Betsaal wurde gegen Ende des 17. Jahrhundert auf Geheiß der damaligen Landesherrin, der 1688 verstorbenen Landgräfin Anna Elisabeth errichtet, einer geborenen Herzogin von Sachsen-Lauenburg und zweiter Gemahlin des Landgrafen Wilhelm Christoph von Hessen-Homburg, die ihren unglücklichen Lebensabend auf Schloß Philippseck verbrachte. Das vielbesuchte Familienlandheim der Ev. Heilandsgemeinde Frankfurt entstand 1967. Im 19. Jahrhundert zwang die Armut zahlreiche Einwohner, als "Landgänger" in die Fremde zu gehen und die an Winterabenden selbst hergestellten Produkte (u.a. Fliegenwedel, Reisigbesen etc.) zu verkaufen. Die Bodenröder gingen während der warmen Jahreszeit vorzugsweise nach Russland und kamen nach Verkauf ihrer Produkte wieder in die Heimat zurück.

Am 1968 errichteten Dorfgemeinschaftshaus erinnert eine Ehrentafel an den Widerstandskämpfer Adolf Reichwein, der nach dem mißglückten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 vor dem berüchtigten Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und anschließend im Zuchthaus Plötzensee auf schändliche Weise hingerichtet wurde. Reichwein (ein Lehrerssohn aus Ober-Rosbach), auch als der "fliegende Professor" bekannt, hatte in Bodenrod 1921 ein "Bauern- Arbeiter- Studentenlager" organisiert, um die sozialen Barrieren zwischen jungen Leuten aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu beseitigen. In der NS-Zeit ging der sozialistisch orientierte Berliner Professor als Volksschullehrer in ein kleines Dorf und führte dort vorbildlichen Unterricht durch. Seine Erfahrungen veröffentlichte Reichwein; sie machten ihn zu einem der Pioniere der Sozial- und Museumspädagogik.

Die Weidigschule Butzbach (damals Oberrealschule) unterhielt seit 1920 in Bodenrod in einem ehemaligen Kinderheim ein Schullandheim, das der Butzbacher Fabrikant Dreher zur Verfügung gestellt hatte.

Im August findet im Sommer das Kirchweihfest in Form einer Zeltkirmes statt. Im alten Backhaus wird noch heute gebacken (Attraktion ist das alljährliche Backhausfest). (Dieter Wolf)

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in Bodenrod
Blick auf Bodenrod im Winter

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